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Eigenes Buch
Seit 35 Jahren übe ich mit großer Leidenschaft die Falknerei aus. Ich habe darüber ein Buch geschrieben, Titel: "Auf der Faust", in dem ich alle Erfahrungen zusammengefasst habe. Dies ist im Buchhandel erhältlich oder Falkonaria (unter suchen Bestell Nr. 0221 eingeben) bestellbar.
Nachfolgend ein kleiner Auszug daraus: Meine beiden Brüder Armin, Jahrgang 1937, und Dietmar, Jahrgang 1941, hatten schon seit frühester Jugend durch Zelten und Angeln Kontakt mit Tieren und Pflanzen. Ich als Nachzügler, Jahrgang 1951, wurde von ihnen deshalb als kleiner Junge in diese faszinierende Welt der Natur mitgenommen. Die ersten Vögel (siehe Kapitel 02) wurden dann im Garten unserer Eltern untergebracht, da wir alle drei Brüder unter einem Dach lebten. Neben dem Gemüse und dem Hasenstall bauten wir die ersten Spitzhütten auf die kleinere Rasenfläche direkt neben dem Wohnhaus. Unser Vater tolerierte unseren „Spleen“, wie er es immer bezeichnete, mehr oder weniger widerwillig und es gab vor allem mit Armin als ältesten Sohn einige Kontroversen. In seinen Augen könnten wir Zeit und Geld für Nützlicheres investieren. Aus diesem Grund und auch wegen des beengten Platzes reifte in uns der Entschluss, für unsere Belange einen größeren Platz und ein schöneres Ambiente zu finden. Wir begaben uns deshalb auf die Suche nach einem anderen Standort. Wir wurden fündig in einem abgeschlossenen, mit Gebäuden ausgestatteten Gelände und außerhalb von der Ortschaft Neershof gelegen. Da es sich um eine ehemalige alte Gärtnerei handelte, die vollständig mit einer der Meter hohen Mauer umgeben war, später als Schweinestall diente und auch so verlassen wurde, entsorgten wir das verkommene Areal erst mal von Unrat, Schutt und Schweinemist. Im Jahre 1969 bauten wir dann damals in vielen Stunden unermüdlichen Einsatzes, wir, dass hieß die Gebrüder Dorschner, Helmut Brühl, Ulrich Leicht und später auch Dr. Günter Trommer dieses Terrain völlig greifvogelgerecht um. Unser Enthusiasmus war grenzenlos und nichts hätte uns von unserem Ziel aufhalten können. Als ursprünglicher Gedanke für den Ausbau galt nur die Unterbringung unserer Beizvögel in geeigneter ruhiger Lage. Es entstanden mehrere Flugdrahtanlagen und Spitzhütten, einige Mauserhäuser und ebenfalls ein Hundezwinger. Ein in der Mitte der Anlage tiefer Brunnen sorgte immer für frisches Wasser. Die Flugdrahtanlagen wirkten imposant, da die Vögel fünfzehn Meter zum vorderen, niedrigen Reck fliegen konnten. Selten schossen die Habichte darüber hinaus. Unsere anfängliche Befürchtung, dass die dann erreichte Fluggeschwindigkeit zu hoch sei, verflog sofort. Der Vogel gewöhnte sich an seinen Aufstellungsort und wusste, wie weit er fliegen konnte und zog nicht voll durch. Die Sperber nutzten sogar den Schwung, drehten vorne im Halbkreis um und flogen in die Hütte zurück. Schon bald stellte sich heraus, dass die Aufgaben und Interessen, die mit der Falknerei regelrecht verknüpft waren, sich erheblich erweitern würden, wie Ausübung der Beizjagd, Aufnahme, Pflege verunglückter und kranker Greifvögel und Eulen, Auswilderung gesund gepflegter Vögel, Zucht von Greifvögeln, Mauser- und Verhaltensstudien, Bestandsaufnahmen heimischer Greifvogel- und Eulenarten im Coburger Land. Durch die Mitgliedschaft in der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Coburg (hier fanden sich eine Handvoll allgemein vogelkundlich Interessierter ein) und dem Deutschen Falkenorden und der Betreuung der kranken Greifvögel durch einen Tierarzt kamen wir in den Genuss, als eine von sieben in Bayern anerkannten Institutionen einer Greifvogelauffangstation zu gelten. In sieben Jahren bis 1976 wurden circa zweihundert Greifvögel und Eulen angeliefert, die überwiegend nach einiger Betreuung früher oder später wieder der Natur zugeführt wurden. Der Hauptanteil bestand aus Mäusebussarden, gefolgt von Turmfalken, Habichten, Sperbern, Waldkäuzen, Schleiereulen, Waldohreulen, Baumfalken, ja sogar Uhus, einen Merlin, einen Wespenbussard und eine Sumpfohreule bekamen wir in unsere Obhut. Ursachen der Gefangennahme war beim Mäusebussard der Fang in Krähenfallen, bei windigem Wetter wurden sie am Waldboden als Ästlinge aufgefunden oder in Straßennähe angefahren. Beim Habicht hielten sich Habichts- und Krähenfang die Waage. Sperber kamen an Fensterscheiben, Drähten oder im Autoverkehr zu Schaden. Kleinfalken wurden flügelverletzt in der Nähe von Straßen, Hochspannungsleitungen oder Gebäuden gefunden. Während der Olympiabauzeit in München erhielten wir junge Turmfalken, die aus dem Nest genommen werden mussten. Bei Eulen überwogen die Verletzungen durch ihre Jagdweise an verkehrsreichen Straßen auf Mäuse. Im strengen Winter 1969/70 holten wir wegen hoher Schneelage und Dauerfrost vierzehn Mäusebussarde in die Station. Diese wurden entweder geschwächt aufgefunden oder in Krähenfallen gefangen. Nach ihrer Freilassung entfernten sich naturvertraute Vögel meistens sofort vom Freilassungsort. Aufgrund der Beringungsergebnisse fanden sich auch ausgeheilte, flügelverletzte Vögel, die zuvor in Flugvolieren gehalten wurden, gleich wieder in der Natur zurecht. Ein flügelbruchausgeheilter Mäusebussard, der am 14.2.71 beringt freigelassen wurde, fand sich im Februar 1973 bei Leipzig wieder mit gebrochenem Flügel. Einige Vögel, vor allem Turmfalken, erhielten Wildflug, die Auswilderungszeit variierte je nach Greifvogelart zwischen zwei bis sechs Monaten. Durch das Lahnen der in Wildflug stehenden Jungvögel wurden manchmal Altvögel der Wildbahn angelockt, welche die fremden Artgenossen fütterten. Die Jungvögel schlossen sich dann meistens dem Familienverband mit an. Wildflug heißt, dass beim Falkner aufgezogene Vögel Gelegenheit gegeben wird, nach dem Ausfliegen frei umherzufliegen, zum künstlichen Horst zurückzukehren und sich so einige Wochen wie in der Wildbahn auszufliegen. Je nach Vertrautheit werden sie dann wieder eingeholt oder eingefangen. Einigen Jungbussarden brachte eine Stromleitung in unmittelbarer Nähe, wenn sie bei nassem Wetter darauf aufblockten, den Tod. Wenige elternlose Nestlinge konnten bei gleichaltrigen Wildvögeln im Horst untergebracht werden, dies war stets erfolgreich. Dauerpflegefälle wegen Flugunfähigkeit konnten teilweise in der Zucht Verwendung finden oder mussten eingeschläfert werden. Obwohl wir erst Anfänger waren, wurden uns von Dr. Trommer bald gute Kenntnisse bescheinigt. Die Jahre in Neershof waren von größter Konzentration im falknerischen Bereich geprägt. Gerne fuhren wir jeden Tag zu der sechs Kilometer entfernten Station, um den Vogel zu holen und wiederum in das einige Kilometer entfernte Revier zu gelangen, in dem wir beizen durften. Durch die Gruppe konnten gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse mit den anderen ausgetauscht werden, was der Vervollkommnung der falknerischen Kunst des einzelnen auf jeden Fall unendlich dienlich war. Viele Stunden diskutierten wir bis ins kleinste Detail die Vorzüge und Nachteile der einzelnen Vögel. Leidenschaftlich berieten vor allem Dietmar und ich auch zuhause, was bei diesem und jenem Vogel in punkto Kondition, Flugtraining, Abtragen und Einjagen das Beste wäre. Verhaltensweisen der Beizvögel wurden von uns gedeutet und versucht, Erklärungen bei Misserfolgen zu finden. Immer wieder sprachen wir über Dinge, die eigentlich klar waren und dann aber doch einen anderen Gesichtspunkt erhielten. Die Geselligkeit pflegten wir bei Lagerfeuer, Steaks und Bier mit Freunden und Gleichgesinnten und unterhielten uns viel über unser aller gleiches Interesse. Leider entwickelten sich nach einiger Zeit der Harmonie dann Zwistigkeiten aufgrund persönlicher und egoistischer Vorgehensweisen einzelner Mitglieder der Gemeinschaft, die persönliche Motive nicht hinter die Sache zurückstellten. Selbst Adi Schreyer konnte durch seine Vermittlung die Streitigkeiten nicht beilegen. Die Stimmung wurde zusehends getrübt und hatte im Jahre 1976 die Umsiedlung unserer Vögel, zusammen mit Helmut Brühl, in ein neu angepachtetes Gelände in unserem Heimatort zur Folge. Es hatte sich gezeigt, dass ein engeres Zusammenarbeiten auf die Dauer sehr schwierig durchzuführen ist, wenn nicht alle an einem Strang ziehen und die Sache, sprich unsere Greifvögel, in den Vordergrund stellen. Nun, wir mussten die Herausforderung annehmen und bauten nochmals eine Zuchtvoliere mit drei Kammern, nochmals sechs Flugdrahtanlagen auf und versetzten eine komplette Jagdhütte, die mit einem Tieflader aus zehn Kilometer Entfernung geholt wurde, in unser neues Domizil. Dies war ein fünftausend Quadratmeter großes Wiesenstück, bepflanzt mit uralten Ostbäumen. Wir legten Strom- und Wasseranschluss und umgrenzten alles mit einem zwei Meter hohen Drahtzaun. Es wurde für alle ein hartes Jahr und kostete viel Energie sowie Einsatz. Von unseren Eltern hörten wir immer wieder den Vorwurf, dass wir mit unseren Greifvögeln verheiratet wären, da die ganze Zeit ihnen gewidmet wurde. Ja, sie hatten wirklich Recht, Dietmar und ich entschieden uns sehr spät für zweibeinige, zugegebenermaßen mit anderen Vorzügen ausgestattete weibliche „Vögel“. Obwohl Altfalkner wie wir der doppelten Prüfungspflicht nicht unterlagen, (Jagd- und Falknerprüfung ab 1977 bei vorheriger Ausübung der Beizjagd von mindestens fünf Falknerjagdscheinperioden) bestanden wir alle drei 1979 den normalen Jagdschein. Wir wollten uns hier nichts nachsagen lassen. Jungfalkner mit stolz bestandener Jägerprüfung, denen wir etwas über die Kunst der Falknerei erzählten, wären schon irritiert gewesen ob des Fehlens des behördlichen Stempels unserer falknerischen Fähigkeiten. Der Reiz des Neuen, nämlich die Jagd mit der Waffe, übte auf meine beiden Brüder dann eine immer größere Anziehungskraft aus als die„mühseligere“ Beizjagd; vielleicht hatten sie diese auch zuviel ausgereizt und mit den Habichten zu viele Erfolge gehabt, vielleicht war auch die private Abkopplung (Heirat von mir 1982) eine der Ursachen. Das Abwenden von der Falknerei meiner Brüder konnte ich zuerst nicht verstehen. Wir hatten die ganzen Jahre wie Pech und Schwefel zusammengehalten, anscheinend nur für die Falknerei gelebt (sie ließen mich jedenfalls als jungen Menschen in dem Glauben), sodass ich dieses Aufgeben einfach nicht begreifen konnte. Die Passion für die Greifvögel war auf die Jagd mit der Waffe übergegangen. Erst später begriff ich langsam, dass jeder sein Leben selbst in der Hand hat und tun und lassen kann, was er will. Nun denn, obwohl die Größe des Gartens, in dem unsere Vögel standen, für vier Falkner geeignet war (H.Brühl erlitt einen Schlaganfall und konnte die Beizjagd nicht mehr ausüben), musste ich wohl oder übel mit der Pflege der Anlage alleine fertig werden. Obwohl dies zeitweise sehr anstrengend war und ist, habe ich dies noch keinen Augenblick bereut. Die Tatsache, dass noch heute nach vielen Jahren nach meinen Brüdern als Falkner gefragt wird, zeigt mir mit gewissem Stolz, welch enormer Eindruck durch unser geschlossenes Auftreten überall entstanden ist. Junge, begeisterte Jungfalkner meldeten sich schon bei uns. Diese waren erst Feuer und Flamme, betreuten auch einige Zeit die Vögel mit und begleiteten uns auf der Beize, aber nach und nach verloren sie das Interesse und gaben wieder auf. Ein Zeichen aber auch für mich, dass das Feuer in ihren Herzen für die Greife nicht dauerhaft brannte, sondern beim kleinsten Luftzug, sprich anderen einfacheren Steckenpferden, erlosch. Ohne dieses Feuer kann man die Beizjagd aber nicht greifvogelgerecht ausüben.
weitere Informationen zur Falknerei und Beizjagd finden Sie unter www.falknerei.de
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